Das erste Mal mit Diabetes – Eine Blogparade

Auch ich möchte mich an der Blogparade von Lea von Insulea beteiligen, hier auch ein herzliches Dankeschön für die Idee!
Das Thema ist „Das erste mal mit Diabetes“ und ist inspiriert von einem #DeDoc Tweetchat zu dem Thema. Alle Typ 1er haben diese ersten Male mit gemacht, aber jeder wird sie anders erlebt und wahrgenommen haben.
Zwar liegen meine ersten Male noch nicht so lange zurück, aber auch ich möchte meine Erfahrungen damit mit euch teilen. Ich halte mich größtenteils an Leas Fragen, und habe noch selbst 2 ergänzt.

Viel Spass beim Lesen 🙂


Das erste mal Insulin spritzen

Ich hasse Nadeln, habe ich schon immer, werde ich wahrscheinlich auch immer tun. Jedes mal wenn ich beim Arzt eine Nadel gesehen habe war (und ist) meine Taktik Kopf wegdrehen, ins Bein kneifen und Luft anhalten (manchmal sogar bis mir jemand sagt ich soll wieder atmen). Ich habe um spitze Gegenstände einen Bogen gemacht und wenn in Film und Fernseh etwas mit Spritzen gezeigt wurde musste ich auch da wegschauen. Mit der Diagnose Typ 1 Diabetes habe ich diesbezüglich natürlich den Jackpot getroffen.
Die ersten Tage im Krankenhaus wurde mir noch das Insulin von den Schwestern gespritzt, die zwar immer wieder gefragt haben ob ich es selbst machen will, was ich allerdings dankend abgelehnt habe. Zu dem Zeitpunkt habe ich erfolgreich verdrängt, dass ich das irgendwann selbst tun muss.
Nach 3 Tagen hatte ich dann meine erste Schulung, die Diabetesassistentin hat mich mit in ihr Büro genommen und mir ein kleines Kissen auf dem eine Kuh aufgedruckt war in die Hand gedrückt. An diesem Kissen musste ich das Spritzen üben, indem ich das Kissen mir vor den Bauch oder Oberschenkel hielt, dort dann den Pen eingestochen habe und dann ein paar Einheiten abgab.
An diesem Abend habe ich schließlich auch einen Pen mit Basalinsulin bekommen, welches ich dann auch nach langem Überwinden selbst gespritzt habe (und das nur weil ich mir nicht von den Krankenschwestern in den Po stechen lassen wollte).
Ab da musste ich selbst spritzen.
Mittlerweile schaffe ich das recht schnell, irgendwie gewöhnt man sich an den „Schmerz“, aber in Bad Mergentheim habe ich locker jedes mal 5 Minuten damit zugebracht den Pen an meinen Bauch zu führen und im letzten Moment wieder abzubrechen. Ich glaube ich habe meine Zimmernachbarin damit fast in den Wahnsinn getrieben, sie hat trotzdem jedes mal ganz lieb auf mich gewartet hat um gemeinsam mit mir zum Essen zu laufen.

Das erstemal (selbst) Blutzucker messen

Wie Blutzucker messen in der Theorie funktioniert habe ich in der 9. Klasse bei der Ausbildung zum Schulsanitäter gelernt. Ausprobiert habe ich es allerdings nie, weil meine Freundin und ich beide zu viel Schiss vor dem Pieks hatten 😉
Das erste Mal selbst habe ich bei meiner Oma gemessen, weil meine Mama wissen wollte welchen Wert ich genau habe. Anstatt dass Omi oder Mama die Stechhilfe ausgelöst haben (was mir in dem Moment als die Sinnvollste Herangehensweise erschien) musste ich es selbst machen, und das hat einiges an Überwindungsarbeit gekostet.

Das erste Mal unterzuckern (von vielen)

Meine Erste Hypo hatte ich in Bad Mergentheim, und ich habe es schon dort nicht wirklich gemerkt. Wir haben am Abend Karten gespielt und bei der Kontrollmessung um 21:00 Uhr war ich bei 53 mg/dl. „Hast du das denn nicht gemerkt?!“ war die Reaktion der Nachtschwester.
In der Zeit nach dem Krankenhaus waren Unterzuckerungen an der Tagesordnung, die meisten habe ich nur durch Messungen vor dem Essen bemerkt. Der niedrigste Wert den ich gemessen habe war vor einem Mittagessen bei 29 mg/dl.
Das erste und einzige Mal Panik bei einer Unterzuckerung hatte ich bei einem Berlin Ausflug mit meiner besten Freundin. Wir waren Essen und haben beide danach einen recht starken Cocktail getrunken. Zurück im Hotel habe ich noch gelacht und gemeint, dass der Wert jetzt sicherlich astronomisch hoch sein wird, da ich ja extra den Saft darin nicht abgedeckt habe. Pustekuchen: 50 mg/dl. Da habe ich noch gelacht und 2,5 schnelle KE gegessen, als die Kontrolle nach 30 Minuten aber 46 mg/dl angezeigt hat, habe ich (und meine Freundin bestimmt auch) leicht Panik bekommen. Nach 1 Stunde waren meine Hypohelfer aufgefuttert und ich war immer noch nicht wirklich höher. Am Ende hat mir meine Freundin dann noch eine kleine Flasche Cola besorgt, die mich dann endlich wieder in Höhere Gefilde gebracht hat.
Kurz nach dem Urlaub war ich beim Arzt und dort wurden meine Faktoren erheblich verkleinert, seit dem sind die Hypos weniger und nicht mehr so tief.

Das erste Mal Überzuckert

Dieses Erlebnis ist mir bis jetzt Gottseidank erspart geblieben. Der Höchste Wert bis jetzt waren 505 mg/dl bei der Diagnose und danach 312 mg/dl bei einer Unterschätzten Pizza letztes Wochenende, die sich aber recht einfach korrigieren haben lassen.

Der erste Urlaub mit Diabetes

Steht noch aus. Zwar war ich im März 5 Tage in Berlin, aber das war dann doch eher ein Ausflug.
Im September werde ich mit einem Kumpel eine 3-wöchige Rundreise durch England, Wales und Irland machen (Schottland wurde gestrichen weil es sonst zu teuer wird).

Die erste Prüfung mit Diabetes

Meine Diagnose habe ich 5 Tage vor Beginn des Prüfungszeitraumes erhalten, und somit musste ich alle Prüfungen aus dem Wintersemester nachschreiben.
Der Dozentin habe ich nicht mal gesagt, dass ich Messgerät und so weiter dabei habe, ich habe einfach mein Täschchen auf den Tisch gestellt. Die Prüfung ist allerdings gründlich schief gelaufen, ich habe zwar „Sport-BE“ gegessen, trotzdem habe ich Unterzuckert und das blöderweise erst 15 Minuten vor Ende bemerkt und selbst da habe ich mir keine Zeit zum Messen genommen, da die Bearbeitungszeit sehr knapp bemessen war. Die Note war dann alles andere als zufriedenstellend…

Im Rückblick kann ich schon jetzt sagen: Es ist erstaunlich wie schnell ich mich an das alles gewöhnt habe. Das (Insulin-)spritzen macht mir jetzt kaum mehr etwas aus, ja manchmal tut es verdammt weh wenn man irgendetwas trifft. Und oft zieht es ekelhaft, aber so schnell wie dieser Schmerz kommt, so schnell verschwindet er auch wieder.
Man kann sich doch irgendwie an alles gewöhnen, wenn man muss.
Ich bin froh, dass ich viele dieser ersten Male jetzt schon als selbstverständlich betrachte.

Hier geht es zu den weiteren Beiträgen:

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Steffi von Pep me Up

Lisa von Lisabetes

Beate von Beate Putzt

3 Gedanken zu “Das erste Mal mit Diabetes – Eine Blogparade

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