Diabetes und Ameisen

 

Vor ein paar Tagen bin ich aufgewacht und habe verschwommen auf meinem Nachtkästchen schwarze, sich bewegende Punkte wahrgenommen: Ameisen. Toll und schlagartig war ich wach. Die Tierchen haben sich an dem halb-gegessenen Schokoriegel, den ich bei einer nächtlichen Unterzuckerung angebrochen habe, bedient.

Ein paar Tage und Säuberungsaktionen später war ich meine ungebetenen Gäste immer noch nicht los, im Gegenteil, quer durch mein Zimmer entstanden immer wieder neue, gut besuchte Ameisenstraßen. Deshalb schlafe ich mittlerweile im Gästebett, denn die Vorstellung mein Bett mit Insekten zu teilen behagt mir nicht so. Das, die Tatsache, dass die Biester ständig über meinen Schreibtisch laufen und die schlechten Blutzuckerwerte die ich doch zurzeit öfters habe, machen es mir nicht wirklich leicht meine Bachelorarbeit zu schreiben. Gewährt das Prüfungsamt eigentlich einen Nachteilsausgleich bei einer Ameisenplage? Als ich mit meiner Oma darüber sprach, sagte sie mir, dass sie es nicht wundert, dass ich die Einzige im Haus bin, die das Problem hat.

Ameisen bevorzugen Diabetiker??

So erzählte Sie mir, dass damals im Altenheim meistens die Bewohner eine Ameisenplage im Zimmer hatten, die Diabetes hatten. Sie vermutet, dass es mit dem Geruch oder so zu tun hat.
Während ich das Ganze erstmal als Quatsch abtat (Entschuldigung Omi), ist mir später wieder eingefallen, dass ich letztes Jahr ein paar Ameisen dabei beobachtet habe, als sie wie besessen an meinem frisch gebrauchten Blutzuckerteststreifen „gesaugt“ haben und letztendlich auch angefangen haben, diesen zu transportieren.
Ob es nun wirklich stimmt, dass Ameisen Menschen mit Diabetes bevorzugen (oder angreifen glaubt man ein paar Berichten in ominösen Internetforen) sei dahingestellt, dass Ameisen aber Diabetes entdecken können hat man schon vor einigen Jahrhunderten festgestellt:

„Du hast einen Patienten, der Harn lässt wie ein brünstiger Elefant, dessen Harn Honigharn oder Zuckerruhrharn heißt und dessen Harn süß schmeckt und die Ameisen und Insekten anlockt.“

– Der Indische Arzt Sushruta im 6 Jahrhundert vor Christus

Auch die Griechen haben in der Antike herausgefunden, dass der Urin von Menschen mit Diabetes süß schmeckt, sowie auch der Schweiß (ich glaube das einfach mal so, denn testen möchte ich das nicht). Deshalb bekam diese Form des Diabetes später den Beinamen Mellitus, also honigsüß, um sie vom Diabetes Insipidus unterscheiden zu können, der durch das Fehlen eines Hormones ausgelöst wird, und zu vermehrten Durst und Harndrang führt (und anderen ernst zunehmenden Folgen). Das kennen wir ja irgendwoher.
Übrigens, dem englischen Arzt Dobson ist es im 18. Jahrhundert gelungen einen weißen Rückstand aus dem honigsüßen Urin zu gewinnen, der wie brauner Zucker schmeckt. Lecker. Dieses Vergären hat sich in weiterentwickelter Form wenige Jahre später als „erste klinische Untersuchungsmethode des Diabetikerurins“ durchgesetzt.1
Diabetes und Ameisen werden aber auch mit Polyneuropathien zusammengebracht, zumindest so halb, denn die Symptome werden oft wie ein Kribbeln beschrieben, das an Ameisen erinnert.

Ameisen haben also doch mehr mit Diabetes zu tun, als man am Anfang denkt.
Etwas anderes haben sie übrigens auch noch gemeinsam: Ich habe nicht um sie gebeten 😉

The header is a derivative of „Ant on Sweet Cicely“ by Line Sabroe, used under CC BY.

Monatsrückblick(e) Januar/Februar

Etwas später als geplant kommt hier mein Monatsrückblick für die 2. Hälfte des Januars und den Februar. Zwei Monate in denen ich viel zu tun hatte und viel geschafft habe, und trotzdem viel gesehen habe. Das „Highlight“ war sicherlich, dass ich meine Bachelorarbeit angemeldet habe, ein Thema gefunden habe, dass mich wirklich interessiert und das mir auch Spass macht. Außerdem habe ich die Chinesisch Unicert-Prüfung bestanden, und bin zuversichtlich, dass ich mich dieses Jahr auch noch an einen HSK versuchen werde.
Vor allem Ende Januar und Anfang Februar waren geprägt vom nahenden und tatsächlichen Abschied von unserer chilenischen Gastschülerin. Die zweite Hälfte vom Arbeiten an der Bachelorarbeit.

Ende Januar waren wir bei Schloss Neuschwanstein, und konnten dieses bei strahlend blauen Himmel und verschneiter Landschaft besichtigen. Schöner kann man es sicherlich nicht haben.

Außerdem habe ich angefangen ins Fitnessstudio zu gehen. Noch muss ich rausfinden, wie ich am besten meinen Blutzucker im Griff halte, was der beste Startwert ist und, und, und…
Ich hoffe, dass auch das vermehrte Sport treiben, meinem Ziel meinen HbA1C zu senken etwas näher bringt. Nicht, dass mein letzter schlecht war, im Gegenteil, aber ich habe das Gefühl, dass es mit ein bisschen mehr Disziplin und Achtsamkeit nicht so schwer sein sollte, ihn niedriger zu bekommen.
Geholfen dazu hat mir aber sicher nicht der letzte Libre Sensor den ich hatte, der was das anbelangt mich 2 Wochen eigentlich nur frustriert hat. Ungenaue Werte, und Allergie trotz Hautschutzbarriere. Das bekommt aber demnächst einen eigenen Beitrag.

(Ja, auf dem Bild sind der Abstand zwischen blutiger Messung und Libre Messung nur 1 Minute anstatt 15 Minuten, aber nach den 15 Minuten war die Differenz noch größer, und ich zu faul ein neues Bild zu machen)

 

Fakten, Fakten, Fakten:

Höchster Wert: 392

Niedrigster Wert: 36 (Hoppla, den habe ich schon vergessen)

Tage an denen ich den Diabetes verflucht habe: 4

Gelesen: Catch me if you can, Das Jadepferd, Songs my mother taught me, Nisei Daughter, Seventeen Syllables and other Stories, diverse Kurzgeschichten, und einen Haufen Literatur über Asian-American Literature

Gesehen: (Wenig) Triple xXx 3, Gefragt gejagt

Gespielt: Life is Strange, Uncharted 3 + 4, Kingdom Hearts Dream Drop Distance Remastered

Gehört: Das Rauschen meines Laptop Lüfters, Soundtracks von Life is Strange und Kingdom Hearts (um das Arbeiten nicht ganz so still sein zu lassen), viel Radio

Bestes Essen: Selbstgemachte Jiaozi (in Japan heißen die Gyoza) grob gesagt chinesische Maultaschen

 

 

Die nächsten zwei Monate werden wahrscheinlich ähnlich anstrengend, denn Anfang Mai muss ich meine Bachelorarbeit abgeben. Deshalb wird es wahrscheinlich auch ruhiger hier, aber sicher bin ich nicht. Mal schauen wie es mir im nächsten Monats geht 😉

 

Und ach ja da war doch was:
Mein Blog ist jetzt auch unter der etwas kürzeren Domain thehurricane.blog zu erreichen, im Laufe des Monats stelle ich dann diese auch dauerhaft ein (trotzdem bleibt der Blog noch unter der .wordpress.com wie gehabt erreichbar)

Prüfungsangst und Diabetes

Prüfungsangst hatte ich schon immer irgendwie, wenn auch nur vor mündlichen oder praktischen Prüfungen. Seitdem ich auch noch den Diabetes dazubekommen habe ist diese Prüfungsangst nochmal eine ganze Hausnummer größer. In der Schule war es für mich immer grausam mich vor die Klasse stellen zu müssen und einen Vortrag über ein Thema zu halten. Mit der Zeit hat sich das gelegt, und die letzten Referate in der Uni haben mir so gut wie nichts mehr ausgemacht.
Meine Aufregung vor Prüfungen heute hat sich irgendwie geändert: Früher habe ich gestottert, gezittert und bin extrem rot geworden, heute steigt mein Blutzucker in ungeahnte Höhen.Wenn du im Seminar 2 mal aufs Klo rennen musst

Im 4. Semester habe ich mal ein Referat über ein Thema gehalten, dass mich wahnsinnig interessiert hat und auch noch auf meine Note eingeflossen ist. Perfekte Ausgangslage also. Ich war gut vorbereitet, war mit meiner PowerPoint wirklich zufrieden und habe den Vortrag gefühlte tausendmal geprobt. Das einzige Problem: Wir waren 4 oder 5 Leute die in dieser Sitzung Referat halten sollten, und wir durften uns aussuchen wer wann dran kommt. Und ich war die Letzte. Mit jedem Vortag stieg meine Aufregung und mit ihr mein Blutzucker. Während ich noch mit 150 mg/dl in die Stunde gestartet bin, habe ich meinen Vortag dann schlussendlich bei einem Wert von 330 mg/dl begonnen. Ich stecke diese hohen Werte normalerweise mit etwas Wasser und Insulin relativ gut weg.
Aber irgendwie sollte es nicht sein. Ich hatte in der ersten halben Stunde meine Wasserflasche schon ausgetrunken, und ich musste verdammt dringend aufs Klo und mein Durst war genauso wie zuvor. Also habe ich mich zwischen den Vorträgen rausgeschlichen. Mein Vortrag war bei weitem nicht so gut wie ich wollte, und ich habe gefühlt die Hälfte vergessen, denn das einzige auf das ich in dem Moment wirklich merken konnte war die Tatsache, dass ich schon wieder aufs Klo musste.
Natürlich habe ich auch vorher mit dem Gedanken gespielt meine Dozentin auf mein kleines Problem mit dem Blutzucker anzusprechen und sie zu fragen, ob ich den Vortrag nicht in der nächsten Sitzung halten dürfe. Aber ich wollte dem Diabetes diesen Sieg nicht gönnen, denn ich saß genau wegen ihm noch einmal in diesem Seminar, im Semester zuvor musste ich es abbrechen, da ich an meinem Referatstermin wegen der Neudiagnose im Krankenhaus war. Nach der Stunde habe ich meiner Dozentin erklärt was los war, die mich natürlich darauf angesprochen hatte, warum ich zwischendurch gegangen bin. Sie hat es verstanden, und meine Note war trotzdem gut.

Am Freitag hatte ich meine letzte mündliche Prüfung

Und die war zum Glück auch nur freiwillig, denn unsere Chinesisch Lehrerin hat uns darauf hingewiesen, dass wir nach bestehen des 3. Kurses an der Unicertbasis-Prüfung teilnehmen dürfen. Da ich dieses Jahr noch an der HSK Prüfung teilnehmen will (das ungefähr wie TOEFL für Englisch), die neben einem schriftlichen Teil auch eine mündliche Prüfung umfasst, war das Unicert eine gute Übung dafür. Die Prüfung war relativ kurz, und auch nicht wirklich schwer. Aufgeregt war ich trotzdem, da ich beide Prüferinnen auch schon im Unterricht hatte. Ich wollte ja schließlich auch zeigen, dass ich bei den beiden viel gelernt habe.
Mit der Erfahrung der letzten Prüfungen und dem Wissen, dass die Prüfung nicht sooo wichtig ist, habe ich dieses mal einen ganz kleinen „Korrekturbolus“ vor der Prüfung abgegeben. Und es hat gut geklappt! Ich bin mit einem Wert von 90 mg/dl gestartet und danach war ich bei 120 mg/dl. Wahrscheinlich war es mehr Glück als Verstand, trotzdem werde ich es bei der nächsten (mündlichen) Prüfung ähnlich handhaben. Aber vielleicht habe ich endlich einen Weg gefunden in diesen Situationen besser mit dem Diabetes umzugehen.

Danke

Anfang Januar hab ich wieder meinen Quartalstermin beim Dia Doc gehabt, zusammen mit der Jahresuntersuchung. Und weil mir eine 10 Packung Insulin fast ein komplettes Jahr reicht, habe ich gleich Rezepte für alles mitgenommen. Ernsthaft, Bolus und Basalinsulin wären dieses Quartal ausgegangen, einer meiner Pens ist kaputtgegangen, und Nadeln und Teststreifen brauche ich sowieso immer. Dieses Mal habe ich mich sogar getraut nach dem Libre zu fragen, auch wenn ich aus verschiedenen Foren weiß, dass es meine Krankenkasse immer noch nicht übernimmt. Die Antwort war wie erwartet: die Kasse zahlt nicht, aber ich solle mal anrufen und fragen, vielleicht ändert sich dann was.

beautyNaja und der Tag hatte eigentlich so gut angefangen, HbA1C war genauso gut wie erwartet, keine Probleme gefunden, Schokohörnchen und Pizza zu Mittag gehabt, und das Wetter war auch noch gut. Und weil ich so motiviert war, hab ich am Nachmittag gleich bei der Krankenkasse vorbeigeschaut. Als ich das Libre angesprochen habe, wurde sofort abgelehnt „Sowas zahlen wir nicht.“ – „Warum, in anderen Bundesländern zahlt ihr doch auch?“ – „Ist zu ungenau, nicht zugelassen, machen wir nicht.“ Danke vielmals für die gute Beratung… Aber ok, denn eigentlich hatte ich nichts Anderes erwartet (aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt).
Weiter gings zur Apotheke, wo ich zwar ein wirklich tolles Gespräch hatte, aber mein letztes Bargeld lassen musste. Knapp 45€ für den ganzen Diakram… Manchmal ist es echt frustrierend, wenn man weiß, dass Menschen ohne gesundheitlichen Probleme eben nicht ein paar hundert Euro im Jahr für ihre Gesundheit ausgeben müssen. Urgh, denn mit Kontaktlinsen, Brille und anderen Tabletten zusätzlich kommt da doch einiges an Geld zusammen.

Auf dem Weg zum Auto habe ich aber dann doch mal kurz überschlagen, denn wenn man in genau dem Moment mir meinen Rucksack geklaut hätte, hätte der Dieb Dinge im Wert von über 1000€ gehabt (mit meinem Handy und den Büchern die ich dabei hatte). Tausend Euro, gezahlt davon habe ich aber nur einen Bruchteil. Und weil es mich zuhause so extrem interessiert hatte, was der Diakram so kostet habe ich zusammengerechnet (der Einkaufspreis steht immer mit auf meinem „Kassenzettel“): 732,42 Euro. Wenn man die Zuzahlung abzieht, dann sind das knapp 690€ die mir geschenkt wurden. Ja ich brauche nicht jedes Quartal Bolus und Basalinsulin oder einen neuen Pen, trotzdem wird mir da ein ganz schönes Stück abgenommen. Wir dürfen uns so glücklich schätzen, dass wir keine Angst haben müssen, diese Dinge nicht zahlen zu können, dass es für uns selbstverständlich ist, jeden Tag die Medikamente nehmen zu können, die uns am Leben halten. Wir werden von Fachleuten betreut, wenn wir ein Problem haben bekommen wir schnell Hilfe.
Wir müssen nicht weit schauen, da ist es nicht mehr so selbstverständlich, in manchen Ländern der „ersten Welt“ müssen Menschen mit Diabetes das selbst zahlen. In noch viel mehr Ländern gibt es Menschen, die es sich nicht leisten können, sich selbst oder ihre Kinder mit den Medikamenten zu versorgen, damit sie eine gute Therapie – eine wie sie für uns selbstverständlich – ist zu bekommen.

Ja ich wünsche mir so einige Dinge um mein Leben mit dem Diabetes zu vereinfachen, die ich aber im Moment nicht bekomme. Ja ich gebe „viel“ Geld dafür aus. Aber das nächste Mal, wenn ich mich darüber ärgere versuche ich mich auch zu erinnern, dass es uns hier verdammt gut geht. Ich bin wirklich sehr dankbar dafür das Glück zu haben hier geboren zu sein und nicht ein paar tausend Kilometer weiter südlich/östlich. Und so ein bisschen Dankbarkeit für die kleinen und großen „selbstverständlichen“ Dinge können das Leben wirklich glücklicher werden lassen.

Eine unendliche Suche

In meiner zweijährigen Diabeteskarriere habe ich schon mehrere Blutzuckermessgeräte ausprobiert, immer auf der Suche nach dem einzig wahren Gerät, dem einen das meine Ansprüche erfüllen kann. Und obwohl eigentlich so viele verschiedene Modelle angeboten werden, und ich eigentlich dachte, dass meine Ansprüche gar nicht so hoch sind, musste ich doch feststellen, dass es gar nicht so einfach ist das passende Messgerät zu finden.

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Als ich nach meiner Diagnose im Krankenhaus war, wurde mir sehr schnell das Blutzuckermessen beigebracht, mit irgendeinem alten Gerät, das keinen Speicher hatte und man noch codieren musste (bis heute habe ich nicht verstanden, wie genau das funktioniert, muss ich ja aber auch nicht mehr). Gepaart mit dem Satz „So etwas werden Sie jetzt immer mit sich führen müssen, zusätzlich dazu das Tagebuch, Sie müssen sich ja die Werte notieren“, hat mich der Anblick dieses Gerätes krank und alt fühlen lassen (ich hatte ja zu dem Zeitpunkt immer noch diese Diabetes-Vorurteile im Kopf…). Als ich endlich ins Diabeteszentrum verlegt wurde und ich meine Schulungen bekommen habe durfte ich endlich auch mein eigenes Messgerät auswählen, damals ein Contour Next USB, das mich übrigens über ein Jahr begleitet hat. Als Dracula im Mai letzten Jahres kaputt ging, bin ich zum Accu-Check Aviva Connect gewechselt, seit Januar benutze ich das Beurer GL50 evo. Vor allem im letzten Jahr habe ich herausgefunden welche Eigenschaften mir bei einem Messgerät wichtig sind:

  1. Es muss einen Akku haben
  2. Es muss sich mit meinem Handy verbinden können
  3. Es muss klein sein
  4. Es sollte optisch ansprechend sein

Nach langem Suchen und Vergleichen musste ich feststellen, dass das GL50 Evo das einzige Messgerät auf dem deutschen Markt ist, dass Punkt 1 und 2 gleichzeitig erfüllen kann. Was mich zu der Frage führt: Ernsthaft?! Warum kann man bei neu auf dem Markt gebrachten Blutzuckermessgeräten keinen Akku einbauen, vor allem wenn es über Bluetooth verfügt?

Muss es ein Akku sein?

Für manche mag es vielleicht übertrieben anhören, dass ich so viel Wert auf einen Akku lege, es ging früher, und geht ja auch immer noch mit Batterien. Aber es sind eben doch Dinge die ich zusätzlich mit mir herumschleppen musste. In dem halben Jahr mit dem batteriebetriebenen Messgerät habe ich 4-mal die Batterien tauschen müssen und ich habe nie die billigen gekauft. Jedes Mal kam die Warnung, dass die Batterien schwach sind kurz vorher, und dann sie waren eben doch plötzlich leer. Was nützt es mir, wenn ich auf Arbeit bin, mir dort angezeigt wird, dass die Batterien schwach werden, und beim Messen vor der Heimfahrt das Messgerät dann leer ist…
Klar liegt das nicht nur am Messgerät, sondern auch an den Batterien. Wie oft sitzt man am PC und kann dann mal nebenbei das Messgerät laden. Dann kann man die Sache wieder für ein paar Wochen vergessen oder nebenbei anschließen, anders als bei Batterien geht bei dem Akku ja nichts verloren.

Warum wechseln, wenn man zufrieden ist?

Ja ich war mit dem Contour Next zurfrieden, und ich hätte es auch weiter benutzt, wenn nicht das Testgerät von Accu Check zufällig einen Tag vor dem Ersatzgerät von Bayer gekommen wäre (und das war nach 2 Tagen da). Da könnte man durchaus blöd gelaufen dazu sagen. Und dann habe ich eben gemerkt wie viel Zeit es spart die Werte aufs Handy übertragen zu lassen anstatt jeden Wert einzeln einzutippen und das Datum und die Uhrzeit nachzutragen, vor allem wenn man mehrere Tage nachtragen muss (nicht das mir das je passieren würde ^.~). Als mein Handy vor ein paar Tagen Aussetzer hatte, ist mir erst wieder aufgefallen wie nervig es ist, per Hand zu dokumentieren.

Und bin ich jetzt rundum zufrieden mit dem Messgerät, das alle vier meiner Forderungen erfüllen kann? Jein, es gibt so 2 – 3 Kleinigkeiten die mich stören, aber alles in allem ist es in Ordnung. Ich werde wohl dabei bleiben, bis mir das nächste über den Weg läuft, das alle vier Punkte erfüllen kann.
Das perfekte Blutzuckermessgerät muss wohl doch erst noch erfunden werden. Und bis es soweit ist, haben wir hoffentlich alle die Möglichkeit ein CGM zu benutzen, die Das Perfekte Blutzuckermessgerät überflüssig machen. (Obwohl, die Komponenten existieren alle schon, fügt sie doch einfach in ein Gerät zusammen ;))

Lesestunde: Als Gott ein Kaninchen war

„Erinnerungen … ganz gleich wie klein und belanglos sie auch erscheinen mögen, sind die Seiten, die uns bestimmen“

 

Eleanor Maud Portman (genannt Elly) lebt mit ihrer Familie in Essex, sie ist neugierig und ein bisschen anderes, genauso wie ihr Bruder Joe. Als sie in die Schule kommt wird sie zur Außenseiterin, erst als Jenny Penny in ihre Klasse kommt, findet Elly eine Freundin. Jenny Penny ist genauso seltsam wie Elly, doch anders als diese, lebt Jenny mit ihrer Alleinerziehenden Mutter und deren Lebensgefährten, anstatt mit einer fest zusammenhaltenden Familie. Das Leben ist nicht leicht für Jenny Penny, und das ist es auch nicht für Elly und ihren Bruder. Als Ellies Eltern beschließen nach Cornwall zu ziehen werden die Freundinnen auseinander gerissen, doch wirklich verlassen werden beide einander nie. „Als Gott ein Kaninchen war“ ist die Lebensgeschichte von Eleanor Maud, und begleitet diese und ihre Familie durch die Jahre. Sie erzählt von Liebe zu Familie, Freunden und Partnern, von Nähe und Verlust. Es ist eine Geschichte vom Kind sein und vom Erwachsen werden, davon, dass die skurrilsten und außergewöhnlichsten Menschen meist die spannendsten Geschichten erzählen können.

 

Jenny Penny hat Diabetes, aber das ist gar nicht so schlimm:

Ellies beste Freundin ist nur selten Teil der Geschichte in dem Sinne, dass sie diese aktiv verändert, präsent ist sie aber immer. Nach dem Umzug der Portmans findet die Kommunikation zwischen den beiden Freundinnen fast ausschließlich in Briefform statt. Und es ist auch in einem der Briefe in dem bekannt wird, dass Jenny Penny an Diabetes erkrankt. Und diese Tatsache wird im Roman nur an drei oder vier Stellen erwähnt: Als Jenny es Elly mitteilt, aber sogleich beschwichtigt, dass es gar nicht so schlimm ist, da sie ja schon früher immer einen Schokoriegel mit sich rumgetragen hat. Als Elly Jenny ihr Beileid ausdrückt („PS: Tut mir leid, dass du Diabetes hast.“) und als Elly Jenny Jahre später fragt, ob alles mit ihrem Diabetes in Ordnung ist.
Natürlich war ich nach der ersten Erwähnung neugierig, wie die Autorin dieses Thema weiter behandelt, doch sie tut es so gut wie gar nicht. Und dieser Umgang mit dem Thema passt perfekt in die Geschichte, und so wirklich enttäuscht bin ich nicht deswegen. Diabetes ist ein neuer Teil von Jenny Penny, aber sie ist immer noch die gleiche, sie hat sich deshalb nicht verändert, zumindest nicht so, dass man es in der Geschichte erkennen kann. Ja sie muss jetzt immer einen Schokoriegel bei sich tragen, aber das ist ok für sie. Natürlich weiß jeder, der Typ 1 Diabetes hat, dass die Sache an sich dann doch nicht so einfach ist. Diabetes ist mehr als nur Süßigkeiten für den Notfall mitzunehmen. Aber trotzdem ist er nur ein Teil von mir. An Jenny Penny ist so viel mehr interessant als ihre Krankheit, und deshalb rückt diese in den Hintergrund, wir wissen, dass sie sie hat, Elly fragt nach einigen Jahren wie es Jenny damit geht. Und genau das wünsche ich mir auch für mich. Wenn man hinsieht, dann kann man sehen, dass ich Diabetes habe, aber ich wünsche mir, dass die Menschen mich mit etwas anderem, und nicht meiner Krankheit, verbinden.

 

Fazit:

In ihrem Debütroman spricht Sarah Winman einiges an: Freundschaft, Einsamkeit, Zusammenhalt, Familienleben, Homosexualität, Älterwerden, persönliche Krisenzeiten, Missbrauch, Krebs, Diabetes… Die meisten dieser Themen könnten wohl alleine ein eigenes Buch füllen, Winman quetscht all diese auf 382 Seiten, und das ist auch große Problem an diesem Buch: Vieles kommt einfach zu kurz. Es waren so viele kleine Details, die meiner Meinung nach nicht viel zur Geschichte beigetragen haben (wie zum Beispiel Jennys Diabetes), dass ich viele nach ein paar Kapiteln wieder vergessen habe, und den ersten Teil des Romans unnötig in die Länge gezogen haben. Das ist schade, denn das Buch erzählt aus dem Leben von Elly Portman mit einer gewissen erzählerischen Leichtigkeit, die die Geschehnisse absolut glaubwürdig aus einer kindlichen Perspektive wiedergeben, und die es ermöglicht über die fehlende Tiefe mancher Ereignisse hinwegzusehen. Der zweite Teil des Buches, der 27 – 33 Jahre nach dem ersten Teil spielt, ist deshalb auch der bessere, denn es passiert einfach nicht mehr so viel, und das eigentliche Thema, die Liebe in ihren vielen verschiedenen Sinnen, kommt besser zur Geltung. Auch wenn ich durch den ersten Teil etwas skeptisch war, ob Winman sich nicht möglicherweise am Thema 11. September übernommen hat, das im zweiten Teil eine zentrale Rolle spielt, ist dieser der wohl glaubwürdigste Teil des Buches.

Ich bin immer noch hin- und hergerissen, ob mir „Als Gott ein Kaninchen war“ gefallen hat oder nicht. Eines ist sicher, es war ein ganz anderes Buch als ich erwartet habe, am Anfang war ich enttäuscht darüber und zum Schluss wurde ich von der Geschichte mitgerissen und habe einige Tränchen verdrückt, denn ein wirkliches Happy End, wie man es sich wohl bei dieser Geschichte wünscht, gibt es nicht. Gut unterhalten für ein paar Stunden war ich aber auf alle Fälle. Und wie viele Bücher dürfen schon von sich behaupten, die Sicht auf so manche Dinge etwas verändert zu haben.

Dies oder Das TAG

Franci von Francibetes hat den >>Dies oder Das <<-tag in Leben gerufen. Und da ich in der letzten Zeit sehr wenig hier gepostet habe, freue ich mich gleich doppelt mitzumachen.

 

1. Pumpe oder Pen?

Ich benutze noch Pens, und komme sehr gut mit ihnen zurecht. Sollte aber die Sprache auf eine Pumpe kommen, dann würde ich nicht ablehnen. Ich finde Pumpen, seitdem ich sie in Bad Mergentheim gesehen habe, wirklich cool, ich glaube im Alltag wird es dann etwas leichter (auch wenn ich mir bewusst bin, dass der Therapieaufwand mit einer Insulinpumpe steigt).

2. Medtronic oder Accu-Chek?

Das ist mir ehrlich gesagt egal. Mir geht es um die Funktionen und das Aussehen des Messgerätes, leider gibt es kein Messgerät auf dem Markt das allen meinen Wünschen entspricht. Zur Zeit nutze ich das Aviva Connect von Accu-Check, da es sich mit MySugr verbindet.

3. Spritzen heimlich oder öffentlich?

Halb,halb. Ich wechsle nicht den Raum und gehe offen damit um, allerdings ich versuche es so diskret wie möglich zu machen. Nicht weil ich mich für das Spritzen oder meinen Bauchschwabbel schäme, sondern weil ich weiß, dass es Leute gibt, die Spritzen einfach nicht sehen können, und das ist genauso in Ordnung.

4. Actrapid oder NovoRapid?

Weder noch, ich benutze Apidra.

5. Lieber Unter- oder Überzuckert?

Gute Frage, beides ist kacke. Unterzucker hindert mich am Handeln, kann aber schnell beseitigt werden, und bedeutet eine Bonus-Süßigkeit. Mit Überzucker kann ich auch weiterarbeiten, aber es dauert länger bis ich ihn los bin, außerdem bin ich vom Überzucker genervter als vom Unterzucker. Vor allem in letzter Zeit.

6. Saft oder Traubenzucker?

Beides, es gibt guten Traubenzucker, der ist aber teurer als Kaubonbons, die meine 1. Wahl für unterwegs sind. Zuhause trinke ich gerne Saft oder Cola, das lässt sich eben nur schlechter transportieren.

7. KE’s Schätzen oder Errechnen?

Wenn es keine großen Umstände macht, dann wiege ich ab und errechne die KE. Ich wiege mein Frühstück immer ab, und das Abendessen wenn ich es selbst gemacht habe. Beim Mittagessen und Außerhalb, im Restaurant oder bei Freunden, ist es mir das Abwiegen zu umständlich (wenn nicht sogar unmöglich), deshalb schätze ich. Mit der Zeit sammelt man ja auch Erfahrung und das Schätzen ist dann auch kein Ratespiel.

8. Für den Notfall: Lieber Kette oder Armband?

Ich habe keines und hab auch nicht vor mir eines zu kaufen. Ich weiß, dass es durchaus hübsche Armbänder gibt, aber ich glaube nicht, dass sie viel bringen. In meinem Geldbeutel steckt allerdings ein Diabetes-Ausweis, ich bin mir sicher, dass im Fall der Fälle dieser gefunden wird, meine Angehörigen darauf hinweisen, oder es auch so auffällt.

9. Sport: weniger Insulin oder Sport-BE?

Sport-BE. Mir ist die Zeit zwischen Essen und Sport machen zu lange, als dass ich da absichtlich über Stunden mit Werten von 200+ warte. Je nach Aktivität kürze ich manchmal aber auch den Bolus für das Essen danach.

10. Nach BZ Messung: Blut wegwischen oder ablecken?

Früher ablecken, jetzt wische ich es ab, am Handrücken, wo ich es dann ablecke…
Sagen wir mal so, ich arbeite daran ein Taschentuch zu benutzen.

Meine Leseliste – Im Herbst

Endlich ist er wieder da, der Herbst, eine meiner vier liebsten Jahreszeiten. Dieses Jahr hat er ja länger auf sich warten lassen, und die Wälder sind immer noch nicht wirklich bunt. Trotzdem, freuen auf und über den Herbst kann man sich jetzt schon, denn es gibt so viel was man machen kann. Lesen zum Beispiel.

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Alles neu mach der Herbst?

Für manche ist der Herbst eine Zeit des Endes, ich finde ihn wahnsinnig inspirierend, und bin zu dieser Zeit auch am kreativsten. Backen, lesen, basteln und moviert ins neue Semester starten gehört alles irgendwie dazu. Und deshalb wird es sich auf meinen Blog in den nächsten Wochen auch das Thema Herbst im Vordergrund stehen. Los geht es heute mit meiner persönlichen Leseliste für die kommenden Wochen, denn neben den wenigen sonnigen Stunden gibt es viele nasse und trübe, und was ist da schöner als es sich auf dem Sofa gemütlich zu machen und ein Buch zu lesen. Am Anfang des Jahres habe ich mir vorgenommen, dass ich wieder mehr lese, das hat leider nicht so geklappt wie geplant, aber das Jahr ist ja noch nicht vorbei und ich habe noch ein paar Bücher die auf mich warten.

 

Meine Leseliste im Herbst:

  • Als Gott ein Kaninchen war von Sarah Winman

Gefunden habe ich das Buch im Sommer auf einem Wühltisch, seitdem wartet es darauf von mir gelesen zu werden.

  • Catch me if you can von Frank Abagnale

Die Romanvorlage zum Film mit Leonardo DiCaprio (den ich übrigens auch noch nie gesehen habe), gefunden im offenen Bücherschrank in Erlangen.

  • My beloved World von Sonia Sotomayor

Sonia Sotomayor ist Richterin im Supreme Court der USA und erzählt in ihrer Biographie wie sie zur Richterin dort ernannt wurde, aber auch ihrer Kindheit und ihrer Typ 1 Diabetes Diagnose. Ich habe das Buch im Frühjahr schon einmal angefangen, bin aber nicht bis zu Rückgabedatum fertig geworden, da ich zu viel um die Ohren hatte. Was sehr schade ist, weil es sich wirklich leicht lesen lässt.

  • Thursday’s Children von Nicci French

Eigentlich habe ich da nur die Hörbuchausgabe von, (aber es hat ja auch irgendwie mit lesen zu tun). Es geht in der Reihe um eine Psychotherapeutin die eher unfreiwillig an Mordermittlungen teil hat. Starten tut die Reihe mit Montag, also ist das mittlerweile der 4. Band.

 

Diabetes im Gepäck

Sommerzeit ist Urlaubszeit, endlich ist es warm, man hat (zumindest wenn man Schüler oder Student ist) lange frei und reichlich Zeit etwas zu unternehmen. Urlaub ist Abstand vom Alltag, keine Verpflichtungen, machen was man will. Also so ist zumindest die allgemeine Vorstellung, aber so schön es auch wäre, der Diabetes geht immer mit auf Reisen, zuhause lassen ist nicht… Und da man nicht nur sich selbst versorgen muss, sonder auch sein kleines Monsterchen, stellt sich immer irgendwo die Frage: Wie mach ich das?

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